Freie Christen für den Christus der Bergpredigt

Brief an Papst: Kinderschänder exkommunizieren

Sehr geehrter Herr Papst Franziskus,

„niemals wieder darf ein Kind solche Qualen erleiden“, sagten Sie vor einigen Tagen bei Ihrem Besuch im Gefängnis bei der Ortschaft Cassano allo Ionio. Sie bezogen sich dabei auf den dreijährigen Nicola Campolongo, der von der Mafia im Januar 2014 ermordet worden war. Und in Sibari erklärten Sie wenig später vor Tausenden von Menschen die Mafiosi für exkommuniziert.

Ich bin zwar kein Katholik, aber diese Nachrichten haben mich berührt und nachdenklich gemacht. Denn ich musste an die Tausende von Kindern denken, denen in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern von Priestern sexuelle Gewalt angetan wurde und die dadurch zwar nicht körperlich, aber in vielen Fällen seelisch „ermordet“ worden sind. „Niemals wieder darf ein Kind solche Qualen erleiden!“ Gilt das nicht auch für sie alle?

Und das gab mir den Mut, Ihnen zu schreiben mit der Frage: Gilt diese Exkommunikation jetzt auch für all die Priester und Mönche, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben? Auch sie haben, wie Sie zu den Mafiosi sagten, den „falschen Weg gewählt“, die „Straße zur Sünde“ beschritten, „zum Eigeninteresse und zu den Übergriffen“(alla sopraffazione). Auch sie haben „Das Böse angebetet und das Gemeinwohl missachtet“, sogar in einer besonders schlimmen Weise. Sie haben Macht ausgeübt gegen wehrlose Geschöpfe, um mit allen Mitteln ihr Ego zu stärken.

Was also unterscheidet sie von den exkommunizierten Mafiosi? Dass sie nicht nur Böses taten, sondern sich noch dazu als „Männer Gottes“ ausgaben? Die Priester sagen, sie geben das Wort Gottes – und vergehen sich an Kindern! Müsste man sie zum Schutz der Kirche vor den „malaffare“, vor der Verrufenheit durch diese Verbrechen, nicht ebenfalls aus der Kirche ausschließen?

Werter Papst Franziskus, bitte geben Sie mir Antwort!

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Holzbauer

P.S.: Das Schicksal dieser geschändeten Kindern und Jugendlichen bewegt hier in Deutschland ungezählte Menschen. Da ich weiß, dass ich mit dieser Frage nicht alleine bin, erlaube ich mir, diesen Brief – und natürlich auch Ihre geschätzte Antwort – an geeigneter Stelle öffentlich zu machen.