Freie Christen für den Christus der Bergpredigt

Zwei Stellvertreter auf dem Weg zur Höllenangst

Benedikt und Franziskus – die Drohbotschafter im Doppelpack

Zwei „Stellvertreter“ auf dem Weg zur Höllenangst
Die Öffentlichkeit ist entzückt: Der „Theologe“ und der „Charismatiker“ schreiben gemeinsam eine Enzyklika: „Lumen fidei“ – das „Licht des Glaubens“. Doch wer das „Lehrschreiben“ bis zum Ende liest (doch wer tut das schon?), der entdeckt statt neuer Erleuchtung nur die alte rußige Dogmenfunzel. Sie starten im Scheinwerferlicht – und landen am Ende doch bei der altbekannten ewigen Verdammnis.

Das „Lehrschreiben“ gerät bei näherem Hinsehen zum Leerschreiben. Die Methode Joseph Ratzingers (des Haupt-Autors) ist rasch durchschaubar: Er reiht in langen Schleifen historische und theologische Allgemeinplätze aneinander, um dann flugs in einem Nebensatz die Lehre des Jesus, des Christus, mit der Kirche gleichzusetzen. Mit einer Kirche, die im Verlauf ihrer Geschichte alles getan hat, um die Lehre des Nazareners in ihr Gegenteil zu verkehren.

„Der Glaube hat eine notwendig kirchliche Gestalt“, schreibt Ratzinger (22), „Der Glaube ... vollzieht sich immer innerhalb der Gemeinschaft der Kirche.“ (39) – und vereinnahmt damit im Vorübergehen den Glauben an Gott für seine Kirche. Doch es kommt gleich noch dicker: „Der Glaube ist keine Privatsache, keine individualistische Auffassung, keine subjektive Meinung“ (22), „Der Glaube ist nicht bloß eine individuelle Option, die im Innersten des Glaubenden geschieht ...“ (39). Doch was gibt es Intimeres, Subjektiveres als die persönliche Glaubensüberzeugung, die sich jeder Mensch in seinem stillen Kämmerlein selbst bildet, bilden darf – und die ihm auch in der Religionsfreiheit der Verfassung garantiert wird? Ratzinger und Bergoglio scheinen gedanklich noch im Mittelalter zu leben, wo es noch lebensgefährlich war, von der Lehre der Kirche abweichende Überzeugungen zu vertreten.

Mit der Religionsfreiheit der Verfassung und mit dem freien Willen des Menschen scheinen die Kirchenoberen tatsächlich gedanklich noch immer auf Kriegsfuß zu stehen. Das zeigt sich wenig später auch dort, wo sie „die Wichtigkeit der Taufe von Kindern“ verteidigen: „Das Kind ist nicht fähig zu einem freien Akt, den Glauben anzunehmen ...“ (43) – bis hierher wir wohl jeder zustimmen, und weiterdenken: Also lassen wir das Kind in Frieden, bis es dazu fähig sein wird. Doch weit gefehlt, lesen wir weiter: „... es kann ihn noch nicht allein bekennen, und eben deshalb bekennen ihn seine Eltern und Paten in seinem Namen“. Damit wird nicht nur der freie Wille de Säuglings missachtet. Er bekommt gleichzeitig nach katholischer Lehre ein „unauslöschbares Prägemal“ in seine Seele, das er nie mehr wieder los wird, sogar wenn er später aus der Kirche austritt. Und bis dahin wird er schön brav für einen Verein zahlen, in den er nie eingetreten ist.

Ratzinger und Bergoglio arbeiten streng nach dem Prinzip der Steigerung. Die Leser erst mal einlullen mit Allgemeinplätzen. Doch das Aufschlussreichste kommt dann gegen Ende: „Da der Glaube einer ist, muss er in seiner ganzen Reinheit und Unversehrtheit bekannt werden. Gerade weil alle Glaubensartikel in Einheit verbunden sind, bedeutet, einen von ihnen zu leugnen, selbst von denen, die weniger wichtig zu sein scheinen, gleichsam dem Ganzen zu schaden. ... Insofern die Einheit des Glaubens die Einheit der Kirche ist, heißt etwas vom Glauben wegnehmen in der Tat etwas von der Wahrheit der Gemeinschaft wegnehmen. ... Den Glauben zu beschädigen bedeutet, der Gemeinschaft mit dem Herrn Schaden zuzufügen.“ (48)

Das klingt wie eine (dreifach wiederholte) Drohung und ist auch eine. Das ist katholisches Dogma in Reinform: Wer der ewigen Hölle entgehen will, der muss alles, aber auch alles glauben, was die Kirche ihm vorgibt. Wer auch nur eines Dogmen bezweifelt, landet in der ewigen Verdammnis. Dem (vielgeschmähten) Zeitgeist folgend, schreiben die beiden Päpste dies zwar nicht ganz so deutlich, wie es in den Lehrsatzsammlungen (etwa in Neuner/Roos: „Der Glaube der Kirche“) nachgelesen werden kann. Aber die Mahnung ist klar: „Deshalb spricht das Lehramt immer in Gehorsam gegenüber dem ursprünglichen Wort, auf das sich der Glaube gründet ...“ (49) Das „ursprüngliche Wort“ des Christus kann das aber nicht sein, der Der lehrte keine ewige Verdammnis, sondern den Gott der Liebe, der in uns wohnt und keines Seiner Kinder auf ewig in eine „Hölle“ schickt. Doch welcher „Herr“ ist dann gemeint, dem man angeblich „Schaden zufügt“, wenn man die katholischen Dogmen in Frage stellt? Wessen Interessen vertreten die angeblichen „Stellvertreter Christi“ dann? Etwa die des Herrn der Unterwelt?

Der Glaube, wie ihn Ratzinger und Bergoglio verstehen, lässt den Gläubigen „teilnehmen am Weg der Kirche, die durch die Geschichte pilgernd unterwegs ist zur Vollendung.“ (22) Doch was für ein Glaube kann das sein? Ein Glaube, der auf einen Weg führt, der durch die Jahrhunderte mit Millionen von Leichen gepflastert ist? Schon die Kreuzfahrer verstanden sich als fromme „Pilger“, die eine bewaffnete „Wallfahrt“ nach Jerusalem durchführten.

Bleibt die Frage: Weshalb legen die Herren in den weißen Soutanen eigentlich soviel Wert auf den „Glauben“? Weil sie im Grunde gar nicht wissen, wie es danach weitergeht? Glauben heißt zunächst Nicht-Wissen. Der Glaube ist doch nur der erste Schritt auf dem Weg zu Gott: Ich halte etwas für wahr und lebe danach, damit der Glaube allmählich zur Gewissheit wird und die Gewissheit zur Tat. Und dieser Weg führt immer über die Selbsterkenntnis zur Gotteserkenntnis. Nur „Glaube, Glaube“ zu rufen, führt noch lange zu keiner Gesinnungs- und Verhaltensänderung im Sinne des Christus, der in jedem von uns lebt.